Gemeinsame Gedenk- und Erinnerungskultur in Dresden

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Freitag, 01. Mai 2009 um 01:00 Uhr

 

Gemeinsame Gedenk- und Erinnerungskultur in Dresden


Die Busmannkapelle als Symbol der Erinnerung und Versöhnung
von Lars Rohwer MdL

Das in Jahrhunderten geschaffene Stadtbild von Dresden ging in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges unter. Das wohl symbolträchtigste Beispiel der Denkmalzerstörung in Dresden ist das Schicksal der Sophienkirche. Die um 1250 erstmalig erwähnte Franziskanerkirche, seit 1602 Sophienkirche und von 1773 bis 1918 evangelische Hofkirche wurde gleich zwei mal Opfer der Zerstörung. Opfer der Bomben des 13. Februar und Opfer der Ideologie der neuen „Sozialistischen Großstadt".

Von Bomben zu Ruinen gemacht, sollte die DDR aus ihnen auferstehen. Auferstanden ist die DDR-Diktatur tatsächlich durch die Sprengung nahezu aller Ruinen öffentlicher Bauten - Kirchen, Theater, Bäder, Postämter, Banken, Kaufhäuser, Markthallen, Reichsbahndirektion. Der von Walter Ulbricht initiierte Abriss der Sophienkirche als ehemals wichtigster protestantischer Kirche Sachsens sollte Erinnerungen an die alte, großbürgerliche Innenstadt auslöschen und Gedenken unmöglich machen. Er hatte aber auch Vorbildwirkung für die Sprengung anderer Kirchen (Leipziger Universitätskirche) und diente gleichzeitig der Disziplinierung des politischen Gegners.

Der Neuaufbau Dresdens unter sozialistischen Vorzeichen blieb letztlich ein Fragment. Seit 1990 sind in Dresden beeindruckende Bauleistungen entstanden. Ohne das Engagement der Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt wäre daran - selbst 20 Jahre nach der friedlichen Revolution - nicht zu denken. Dank ihres Einsatzes entstehen die als Ruinen aus der DDR-Zeit hinübergeretteten Baudenkmäler im Zentrum wieder. Bedeutendste Beispiele sind die Frauenkirche und das Stadtschloss.

Mit diesen Denkmälern erhält die geistige Erinnerung ihren handfesten und symbolischen Ausdruck. Die Errichtung der Busmannkapelle ist so ein Symbol der Erneuerung einer nachhaltigen Erinnerungskultur in Dresden. Die Busmannkapelle veranschaulicht auf verständliche, einprägsame und vor allem bildhafte Art und Weise Geschichte - die Geschichte der Sophienkirche, aber auch die Geschichte der mit ihr verbundenen Dresdnerinnen und Dresdner. Unsere Vorfahren waren dabei, als Johann Sebastian Bach auf der Silbermannorgel der Kirche gespielt hat oder als die schmalen Turmhalme durch massives Kupfer ersetzt wurden. Die Dresdnerinnen und Dresdner waren fassungslos von der Zerstörung der Sophienkirche am 13. Februar und sie waren empört über den Abriss letzter Erinnerungsreste durch das DDR-Regime.

Viele Dresdnerinnen und Dresdner werden sich an Einiges mehr erinnern und sollen dies auch tun. Erinnerung ist aber nicht nur denen vorbehalten, die die doppelte Zerstörung der Sophienkirche selbst erlebt haben. Erinnerung muss über das Wissen der kommenden Generationen weiter transportiert werden. Unsere Kinder und Kindeskinder sollen die Brüche in der Stadtentwicklung bewusst sehen und erleben können. Das macht ein Ort wie die Busmankapelle möglich. Er holt die Erinnerungen zurück und reicht sie gleichzeitig an die Kommenden weiter. Damit wird dem kollektiven Gedenken der Stadt Dresden ein neues Gesicht gegeben. Ein Gesicht, das klassische Elemente mit innovativen Formen kombiniert und dadurch auf einzigartige Weise das Einst und Jetzt verbindet.

Haben wir Mut zur Erinnerung und Mut zur Verantwortung. Als Hommage auch an all jene, die im jahrelangen Bemühen die verdrängte Erinnerung sichtbar machen wollen und mit diesem Mut einen wichtigen Baustein zu einer bewussten demokratischen Erinnerungskultur in Dresden schaffen und pflegen.

Die Errichtung der ersten vier Stelen der zukünftigen Gedenkstätte Busmannkapelle am 13. Februar war ein wichtiger wahrnehmbarer Schritt. Lassen wir gemeinsam weitere Schritte folgen und bitte helfen Sie mit. Unterstützten Sie deshalb den Spendenaufruf der Fördergesellschaft Sophienkirche und der Bürgerstiftung Dresden, um diesen Ort der Erkenntnis und Erinnerung so bald wie möglich im Stadtbild wachsen zu lassen.

Kontoinhaber: Fördergesellschaft Sophienkirche e.V.
Spendenkonto-Nr.: 3120 231 532
BLZ 850 503 00
Kreditinstitut: Ostsächsische Sparkasse Dresden

http://www.busmannkapelle.de/

 

 

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