"OB-Affäre ist Chance für alle Fachbürgermeister"

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Dienstag, 19. April 2005 um 13:45 Uhr

 

lars rohwer"OB-Affäre ist Chance für alle Fachbürgermeister" 


Interview mit den Dresdner Neuesten Nachrichten

19. April 2005

Er wird als Kronprinz von "Königin" Friederike de Haas gehandelt, hat zeitig als Erster seinen Hut in den Ring für die Nachfolge als Chef der Hauptstadt-CDU geworfen: Lars Rohwer, 33 Jahre jung, Landtagsabgeordneter und gelernter Bankkaufmann. Am 4. Juni wählt Sachsens stärkster CDU-Kreisverband (1300 Mitglieder) ein neues Führungsgremium - richtungsweisend für die Bundestagswahl 2006 und die OB-Wahl 2008. DNN-Redakteur Ralf Redemund fühlte dem derzeitigen CDU-Kreisvize auf den Zahn.

Warum sollte man Sie wählen?

Ich fand die Bezeichnung "Vollblutpolitiker" bei Ihnen in den DNN kürzlich ganz treffend. Ich bin mit Leib und Seele bei der Sache, stehe für Offenheit und Klarheit, will unsere Mitglieder noch mehr inhaltlich beteiligen, deshalb habe ich jetzt schon 15 Ortsverbände besucht.

... und gleichzeitig ist der CDU- Vorsitz Sprungbrett für die OB-Wahl.

Überhaupt nicht. Da wird zu viel hineininterpretiert. Der Kreisvorsitz und eine OB-Kandidatur schließen sich aus meiner Sicht aus. Ich will eine Findungskommission mit den Spitzen von Fraktion und Partei einberufen. Es kann nicht darum gehen, dass sich die Spitzen da selber finden...

Und wenn plötzlich der Posten von OB Ingolf Roßberg wegen der Sehm-Affäre vakant wird?

... müssten wir eben schneller tagen. Aber das sehe ich nicht. Für Roßberg gilt auch erst einmal die Unschuldsvermutung. Wenn wirklich etwas an den Vorwürfen dran ist,sollte er von sich aus Konsequenzen ziehen, um Schaden von Stadt und Amt abzuwenden. Unter langen juristischen Auseinandersetzungen leiden alle. Im übrigen gehe ich davon aus, dass das Regierungspräsidium den OB suspendiert, wenn es zur Anklage kommt. Diese Affäre ist eine Chance für alle Fachbürgermeister, sich für noch höhere Aufgaben zu empfehlen (Anm.d. Red.:Heiß gehandelt werden derzeit Detlef Sittel und Hartmut Vorjohann).

Eine gewagte Überleitung, aber - Sie selbst sind ja auch nicht ganz unumstritten. Man wirft Ihnen vor, Sie hätten keine Berufserfahrung, seien zu jung für dieses Führungsamt, hätten im Wahlkampf Fehler gemacht.

Ich kann micht nicht älter machen, als ich bin (lacht). Auf die Politik bin ich aber nicht angewiesen, habe von 1994 bis 1998 bei der Dresdner Bank gearbeitet, könnte jederzeit in meinen Beruf als Bankkaufmann zurück. Und was den Wahlkampf angeht: Sicher, ich habe die Verantwortung dafür übernommen, dass der Spruch "Doch alles richtig gemacht" auf den Plakaten war, als die Haushaltsgenehmigung kurz vor der Wahl kam. Der Urheber dieses Spruches bin ich nicht (Anm.d.Red.: Der kam von CDU-Stadtratschef Michael Grötsch). Wir haben die Leute tatsächlich zu wenig inhaltlich eingeweiht, dies muss künftig durch Informationsveranstaltungen mehr geschehen. Wir können Politik besser und glaubhafter erklären.

Die Parteien klagen über Politikverdrossenheit der Bürger, haben Nachwuchsprobleme. Wie wollen Sie diese Probleme lösen?

Wir haben als Stadt-CDU keine Nachwuchssorgen. Neben den "alten Hasen" haben wir gute neue Leute. Mit Patrick Schreiber in der Neustadt, Aline Fiedler in Strehlen, Christian Piwarz in Loschwitz, Martin Modschiedler in Blasewitz oder Lars Kluger, Steffen Kaden und Christian Hartmann sind wir sehr gut aufgestellt. Die haben sich alle unter Friederike de Haas gut entwickeln können. Zum Teil müssen wir nur die Personen noch stärker mit Themen verbinden. Außerdem halte ich es für falsch, in einer älter werdenden Gesellschaft nur auf jung zu setzen. Ich möchte insgesamt, dass wir mehr untereinander diskutieren und nicht gleich in Lagerdenken verfallen. Es gibt durchaus auch noch Themen, die noch nicht so gut von der CDU besetzt sind, zum Beispiel Kultur und Wissenschaft. Aber ohne Namen nennen zu wollen, arbeiten wir auch hier daran, für diese Bereiche neue kompetente Mitglieder zu gewinnen. Mitgliederwerbung ist eben immer auf der Tagesordnung.

Die nächste Bewährungsprobe?

Die Bundestagswahl wird die Nagelprobe für den neuen Kreisvorstand. Gerade mit Arnold Vaatz haben wir ein ordentliches Pfund im Bund. In jedem Fall wollen wir wieder beide Dresdner Sitze gewinnen.

 

 

 

 

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