Interview Kids und Co.

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Montag, 01. Juni 2009 um 01:00 Uhr

lars rohwer

Familie - Politik -   Familienpolitik

Lars Rohwer über Bildung, Kindheit und Familie.

KIDS und Co im Gespräch mit dem CDU-Abgeordneten im Sächsischen Landtag.

Herr Rohwer, was ist in Ihrer Arbeit aktuell für Sie wichtig?

Das Thema Bildung ist nicht nur aktuell, sondern immer wichtig in meiner politischen Arbeit als Vorsitzender des Ausschusses für Schule und Sport im Sächsischen Landtag. Ein besonderes Projekt war die gesetzliche Einführung des Sächsischen Bildungsplanes für die Kindertagesstätten. Die zahlt sich schon richtig aus, weil er neuen Wind in die Kitas bringt. 

Er stärkt deren Selbstverständnis als Ort der Bildung. Hier wird nicht nur betreut, sondern auch erzogen. Der Bildungsplan motiviert Erzieherinnen und Erzieher in ihrer Bildungsarbeit für die Kinder. Das spüren viele Eltern, wenn sie ihre Kinder zu ihnen bringen. Auch die Sächsische Staatsregierung hat auf den Bildungsplan reagiert. Sie hat den Bereich Kita vom Sozial- zum Kultusministerium übergesiedelt. Dadurch werden frühkindliche und schulische Bildung noch stärker miteinander verflochten, gehören sie doch auch unmittelbar zusammen.

Darauf werden wir uns aber nicht ausruhen. In der Zukunft müssen der Bildungsplan und seine Umsetzung regelmäßig unter die Lupe genommen werden. Denn leider sind qualifizierte Fortbildner häufig Mangelware. Sie sind es aber, die die Erzieher schulen und für die Anwendung des Bildungsplanes fit machen sollen. Um das Niveau also zu steigern, sind Qualitätskontrollen unverzichtbar.

Als junger Vater erlebe ich es tagtäglich, wie wichtig es in der Familienarbeit ist, durch qualifiziertes Personal in den Kitas unterstützt zu werden. Das darf keine Ausnahme sein, sondern muss zur Regel werden.

Sie setzen einen der Schwerpunkte Ihrer Arbeit somit bewusst auf „Bildung", wie sehen Ihre Bemühung nach dem Kindergarten in der Schule aus?

Das Landesmodellprojekt „Jungenarbeit" ist mir besonders ans Herz gewachsen, weil ich es mit auf den Weg gebracht habe.

Als Vorsitzender des Landesjugendhilfeausschusses habe ich oft über dieses Thema diskutiert. Das Projekt „Jungenarbeit" trägt genau diesen Diskussionen Rechnung, es führt uns aber auch vor Augen, welche Reserven das sächsische Bildungssystem hat.

Dass wir in deutschlandweiten und sogar in internationalen Vergleichen wie PISA gut da stehen, ist ja nicht neu. Ein Manko sehe ich aber noch in der Anzahl männlicher Erzieher und Lehrer - die ist viel zu gering. Kinder brauchen nicht nur weibliche Identifikationssymbole.

Gerade für alleinerziehende Mütter können männliche Rollenvorbilder in Kindergarten und Schule eine Stütze sein. Auch Kinder aus sozial schwachen Familien, an die sich unser Landesmodellprojekt vorrangig wendet, brauchen beide Geschlechter als Vorbild. Für das Kollegium eines Kindergartens oder einer Schule ist es sogar eine Bereicherung.

Deshalb müssen wir Männern Mut machen, einen pädagogischen Beruf zu ergreifen. In meiner Kindheit war der Hausmeister, der nicht nur für alle Reparaturen in der Schule zuständig war, sondern auch dort gewohnt hat, solch eine männliche Bezugsperson. Damit soll es aber nicht getan sein.

Sie sprachen gerade Ihre Kindheit an, aus der Sie was für die Zukunft mitgenommen haben?

Meine Eltern haben sich 1981 scheiden lassen. Dadurch habe ich selbst erlebt, wie es ist, nach männlichen Identifikationspersonen zu suchen. Deshalb ist es mir wichtig, mich in dieser Sache zu engagieren. Ich denke, dass Mädchen und Jungen sehr unterschiedlich sind und lernen. Noch wichtiger als das Geschlecht ist aber jedes einzelne Kind, jede individuelle Persönlichkeit. Denn selbst Jungen und Mädchen untereinander haben sehr verschiedene Lerngewohnheiten, die wir berücksichtigen müssen.

Sie haben getrennte Eltern, sind jetzt selbst Familienvater - was bedeutet Familie für Sie?


Familie hat einen besonderen Stellenwert für mich, aber auch für die Gesellschaft. In der Gegenwart verändert sich das Bild der Familie. Familien müssen nicht immer verheiratete Eltern und ihre Kinder sein. Sie können alleinerziehende Mütter oder Väter sein.Sie können als Patch-Work-Familien funktionieren. Viele Paare wollen heute lieber zuerst ein Kind und später heiraten. An diesen gesellschaftlichen Wandel muss sich nicht nur der Familienbegriff anpassen, auch Politik und Pädagogik haben sich daran auszurichten. Für Pädagogen ist es heute eine besondere Herausforderung, jedem einzelnen Kind gerecht zu werden. Wie wichtig die pädagogische Betreuung schon im Kleinkindalter ist, zeigt mir mein Sohn. Fast täglich kann ich Fortschritte beobachten und sehen, wie gut ihm das gemeinsame Spielen und Lernen in der Gruppe tun.Das erleben zu dürfen, ist ein mehr als lohnenswertes Ziel in der Bildungspolitik.

 

 

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