„Bessere Bedingungen an sächsischen Schulen - Abwanderung von Lehrerinnen und Lehrern verhindern"
132. Sitzung des Plenums im Sächsischen Landtag
Lars Rohwer nimmt Stellung zum einbebrachten Antrag der Linksfraktion.
12. März 2009
Sehr geehrter Herr Präsident,
Werte Kolleginnen und Kollegen,
Meine sehr verehrten Damen und Herren
Wie können gute Lehrer ausgebildet, gewonnen und gehalten werden?
Bildung und Qualifizierung sind die Voraussetzung für individuelle Lebenschancen und gesellschaftliche Teilhabe. Was das sächsische Bildungssystem angeht, haben wir gezeigt, wie es gehen kann. Mit Platz 1 bei PISA 2006 im deutschlandweiten Vergleich und Platz 1 beim Bildungsmonitor-Ranking 2008 hat Sachsen seinen Ruf als Vorzeige-Bildungsland verteidigt.
Gut ausgebildete Schülerinnen und Schüler sind der Schlüssel für Wachstum, Wohlstand und Fortschritt der Gesellschaft im Freistaat Sachsen.
Doch was wäre dieses sächsische Qualitätssiegel wert, wenn es nicht jene Menschen in unserem Land gebe, die die Talente und Fähigkeiten unserer Kinder zur Entfaltung bringen?
Auf den Lehrer kommt es an!
Eine Grundwahrheit die so banal ist, dass ich mich wundern muss, dass sie nach allen Strukturreformen der letzten Jahre verschüttet gehen konnte. Ohne den Einsatz und die Begeisterung der sächsischen Lehrerinnen und Lehrer wären die Ergebnisse der letzten Jahre wohl kaum zustande gekommen.
Lehrersein ist ein anspruchsvoller, aber auch ein wunderbarer Beruf. Wenn Sie eine Gruppe von 25, 30 Kindern vor sich haben, entwickelt sich eine ganz eigene Dynamik. Die Kinder probieren aus, wie weit sie gehen können. Da wird mancher Lehrer schon einmal zum Dompteur.
Das andere ist, dass Lehrer sich nicht erlauben können, abzuschalten. Sie stehen pausenlos unter Beobachtung. Es ist eben nicht nur das Fachliche. Das Schwierige ist ebenso die Erziehung, wie die Beziehung zu den Kindern herzustellen.
Lehrer sein ist eine große Aufgabe, eine der wichtigsten, der Gesellschaft verpflichteten Professionen. Lehrer sein ist eine Berufung und alles andere als ein einfacher Beruf.
Lehrer sein bedeutet, Kindern Flügel zu verleihen.
Diese generellen Worte, meine Damen und Herren, waren vielleicht noch einmal von Nöten, um zu dokumentieren was es bedeutet, gute Lehrer im Freistaat Sachsen zu haben und auch hier zu beschäftigen.
Worüber wir gerne sprechen können, ist eine weitere Anhebung des bereits guten Qualitätsniveaus der Lehrerinnen und Lehrer an den sächsischen Hochschulen. Dies ist der bildungspolitische Hebel, der zu signifikanten Fortschritten bei den schulischen Leistungen führen wird. Intelligente Prognosen zur Einschätzung des Lehrkräftebedarfs dienen der Qualitätssteigerung. Die CDU-Fraktion wird die Staatsregierung nach Kräften unterstützen, um eine gezielte Anwerbepolitik auf den Weg zu bringen, die auf Basis einer realistischen Berufswahlgrundlage eine Auswahl von geeigneten Studierenden trifft. Die Schaffung einer Einstiegshürde ins Lehramtsstudium setzt ein klares Qualitätssignal.
Denn langfristige Verantwortung für Qualität führt zu Flexibilität und progressiven Lehr- und Lernformen. Leistung und Qualifizierung lohnen sich und erzeugen eine hohe Motivation.
Eine eindimensionale Sicht der Dinge, wie Sie es, meine Damen und Herren der Linksfraktion, hier in ihrem Antrag auf die Agenda setzen wollen, hilft uns nicht weiter.
Wir brauchen keine Neid- sondern eine Qualitätsdebatte.
Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren!
Wir müssen den Wettbewerb um die Lehrerschaft eben auch annehmen.
Herr Herbst, als Sie vorhin von Wettbewerb gesprochen haben, waren Sie schon auf dem richtigen Trip. Aber Sie waren nicht ganz stringent unterwegs.
Wissen Sie warum?
Wenn Sie kritisieren, dass man auf der Homepage des Kultusministeriums eine Verlinkung zu den Stellenangeboten von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg findet, wo Lehrer gesucht werden, dann muss man den Wettbewerb eben auch konsequent annehmen. Man kann dies nicht auf der einen Seite kritisieren, und dann vom Wettbewerb erzählen. Wenn schon, sollte man konsequent bei einer Linie bleiben
Das Zweite, was ich Ihnen noch sagen möchte, Herr Herbst, gehrt zum Fachwissen: Es gibt einen KMK-Beschluss, der die Bundesländer gegenseitig dazu verpflichtet, diese Stellenanzeigen zu verlinken. Dieser Beschluss wird umgesetzt und daran gibt es nichts zu kritisieren.
Im Wettbewerb ist das eben ein legitimes Mittel.
Wir müssen also den Wettbewerb um die Lehrerschaft annehmen.
Wenn jemand von Ihnen glaubt, Sachsen könne seine Lehrerinnen und Lehrer halten, in dem es sich von den Anwerbestrategien anderer Bundesländer abschottet, ist er oder sie völlig falsch gewickelt. Eine Kritik an Bundesländern, wie Baden Württemberg bringt uns nicht voran, zumal Sachsen selbst um Studierende aus anderen Bundesländern wirbt. Wir dürfen nicht jammern oder die Schotten dicht machen. Wir müssen den Wettbewerb bewusst und gezielt annehmen. Nur durch ihn erreichen wir die erwünschte Qualität und Innovation im Bildungsbereich und schaffen damit die Voraussetzung, die Lehrerinnen und Lehrer dafür zu begeistern, ihren Job in Sachsen auszuüben.
Angesichts dieser Wettbewerbssituation müssen wir uns einmal fragen, was denn eigentlich den Lehrernachwuchs in Sachsen hält? Ist es die Bezahlung oder die Aussicht auf einen sicheren Beamtenstatus? Das sind eben gerade nicht die ausschlaggebenden Motive. Ein Beamtenstatus vermittelt zwar eine gewisse Sicherheit, eröffnet aber nicht die vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten, die Lehrerinnen und Lehrer heute schätzen.
Und dazu gehört nun mal, den eigenen Beruf mit Freude und Engagement ausüben zu dürfen und dafür auch eine entsprechende Anerkennung und Wertschätzung zu genießen. Diese Faktoren scheinen in vielen Schulen in freier Trägerschaft eher gegeben zu sein als in einigen öffentlichen Schulen. Wie würde es sich sonst erklären, dass die Lehrerschaft in freien Schulen auf einen Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes, wie ihn ihre Kollegen an den öffentlichen Schulen haben, zugunsten einer Beschäftigung dort verzichten?
Was ich Ihnen damit sagen möchte, meine Damen und Herren, wir brauchen in Sachsen ausreichend Referendarstellen und zudem genügend Möglichkeiten, die Referendare in den Schuldienst zu übernehmen. Kommt dann noch eine Vollzeitanstellung hinzu, so dass sich das Lehrpersonal der Zukunft nicht neben einer Teilzeitstelle in der Schule an der Kasse eines Supermarktes etwas zuverdienen muss, haben wir schon viel erreicht.
Erreichen müssen wir aber ferner, dass in Sachsen genau das Lehrpersonal in den Fächerkombinationen geschult wird, in denen der Bedarf am größten ist. Klassische Fächerkombinationen wie Deutsch und Geschichte haben zum Beispiel geringere Bedarfe an zusätzlichem Lehrpersonal als weniger gängige Schulfächer, wie Fremdsprachen oder die sogenannten MINT-Fächer. Wir werden deshalb noch stärker darauf hinarbeiten, Studieninteressierte insbesondere für diese Fächer zu begeistern. Eine entsprechende Bedarfsanalyse wird helfen, Lehrpersonal noch gezielter und optimierter auf die Bedarfsstruktur Sachsen auszurichten.
Werte Kolleginnen und Kollegen von der Linksfraktion, einen kollektiven Lehrermangel, wie Sie ihn wissen lassen möchten, gibt es nicht. Wer anmahnt, die Lehrerausbildung zentralistisch reformieren zu wollen und ein einheitliches Lehramt bundesstaatlicher Ordnung zu fördern, hat nichts gelernt.
Sie, meine Damen und Herren der Linksfraktion, wollen doch nur wieder eine Strukturdebatte aufs Schuld heben, die schon seit langem zu Gunsten des erfolgreichen sächsischen Bildungssystems entschieden worden ist.
Wir werden das professionelle Image des Lehrerberufes wieder zurückholen. Durch die Flexibilisierung der Aus- und Fortbildungsstruktur und eventuellen Eignungsprüfungen an den Hochschulen, werden wir den Lehrern jenen Stand und Anerkennung zurückgeben, welche Sie verdienen.
Und das heißt:
„Motive wie Freude an der Arbeit mit Kindern, Leidenschaft beim Unterrichten und Interesse am Fach werden wieder bei der Wahl des Lehrerberufs Berücksichtigung finden."
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und Glück auf!
|