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Gedanken zum Auftakt der (Corona)Schutzimpfungen in den 13 Impfzentren des Freistaates

Kommentar zum Impfstart in den zentralen Impfzentren in Sachsen und der Sinn der Corona-Schutzverordnung

(11.01.2021) Ab heute gilt die neue Corona-Schutzverordnung in Sachsen.

Es ist nicht einfach mit Kontaktbeschränkungen, Ausgangssperre usw. umzugehen. Dies wissen wir wirklich in der Politik und machen es uns mit den Entscheidungen auch wahrlich nicht einfach. Nur, die zu vollen Intensivstationen (Patienten werden bereits geraume Zeit in andere Bundesländer ausgeflogen), die viel zu hohe Übersterblichkeit mit den übervollen Krematorien lassen derzeit einfach keine Wahl zum Lockdown. Der einzige Lichtblick in der derzeitigen Pandemie ist der Impfstart vor zwei Wochen und der heutige Start der 13 Impfzentren im Freistaat.

Ich steige hier auch bewusst nicht nochmal in die Diskussion über Sinn und Unsinn eines "15 km - Radius“ oder "Menschenansammlungen im Wald" ein. Fakt ist: Es handelt sich um geltende Verordnungen, welche einen tieferen Sinn verfolgen.

Jeder Wintersportfreund, jeder Schlittenfahrer, einfach jeder Spaziergänger,der infolge eines (Glatteis-)Unfalles oder einer Sportverletzung in eines der umliegenden Krankenhäuser eingeliefert werden muss, ist unter Umständen einfach einer zu viel…Deshalb bleibt bitte vorsichtig! Vielleicht hilft genau dieser Denkansatz, die derzeitigen Verbote besser akzeptieren zu können.

Ein Blick zurück

Die jetzige Pandemie habe ich zeitlich genutzt, die Ahnengeschichte meiner Familie väterlicherseits zu reflektieren:

Meine Urgroßmutter wird 1891 geboren, als sie neun ist, stirbt ihr Vater nach schwerer Krankheit an Blutzersetzung.1905 wird sie konfirmiert. Als sie 1914 ihren Mann - einen Volksschullehrer - heiratet, beginnt im selben Jahr der erste Weltkrieg. Ihr Bruder muss Ende 1914 zum Kriegsdienst. Anfang April 1916 stirbt er an seinem 20. Geburtstag - am Ende des 1. Weltkrieges sind es 22 Millionen Tote. Kurz darauf, eine weltweite Pandemie, eine Grippe namens Spanische Grippe - sie tötet 50 Millionen Menschen.

Meine Urgroßmutter kommt lebend raus und frei. Zu diesem Zeitpunkt ist sie ist 28 und schenkt 1919 meiner Großmutter das Leben. Mit 38 Jahren überlebt meine Urgroßmutter mit ihrer Familie die weltweite Wirtschaftskrise, die mit dem Zusammenbruch der New Yorker Börse begonnen hat und Inflation, Arbeitslosigkeit und Hungersnot verursacht hat. Mit 42 Jahren kommen die Nazis an die Macht. Mit 48, als der Zweite Weltkrieg beginnt, verliert sie ihren Mann mit 51 Jahren am Vorabend von Silvesterund. Sie ist 54, wenn der 2. Weltkrieg endet. Kurz davor wird sie Oma, mein Vater wird geboren.

Während des Holocaust sterben 6 Millionen Juden. Insgesamt wird es über 60 Millionen Tote geben. Mein Vater ist noch keine drei Monate geboren, da erleben meine Urgroßmutter und meine Großmutterim Februar 1945 den Brandsturm von Dresden. Alle drei überleben und am Ende steht kein Stein mehr auf dem anderen: „was liegt die Stadt so wüst…"

Sie ist 58, als Deutschland geteilt wird, sie ist 59 ist, als der Korea-Krieg beginnt. Wenn sie 64 bist, beginnt der Vietnamkrieg und er ist noch nicht am Ende als meine Urgroßmutterkurz vor ihrem 78. Geburtstag stirbt.

Ein Kind, das 1980 geboren wurde, glaubt, dass seine Vorfahren keine Ahnung haben, wie schwierig das Leben ist. Tatsächlich haben sie mehrere Kriege und Katastrophen überlebt.)

Wir sind in Deutschland durchgängig im Frieden aufgewachsen und wir haben in einer Friedlichen Revolution Deutschland wiedervereint.

Ein Junge, der 2000 geboren wurde, denkt, dass es das Ende der Welt ist, wenn sein Amazon-Paket mehr als drei Tage braucht, um anzukommen oder wenn er nicht mehr als 15 ''Likes’'für sein gepostetes Foto bekommt auf Facebook oder Instagram...Im Jahr 2021 leben viele von uns in Komfort. Wir haben Zugang zu verschiedenen Unterhaltungsquellen und besitzen oft mehr gute Dinge als zwingend nötig.

Viele Leute beschweren sich jedoch über alles, obwohl sie über Elektrizität, Telefon, Essen, warmes Wasser und ein Dach auf ihrem Kopf verfügen. Nichts davon gab es früher. Die Menschheit hat viel ernste Umstände überlebt und hat nie die Lebensfreude verloren. Vielleicht ist es an der Zeit, weniger ich-bezogen zu sein, aufzuhören zu jammern und zu weinen.


Bleiben wir gesund und zuversichtlich mit Abstand, MundNasenSchutz, Hygiene und sind - noch etwas - geduldig bis wir dran sind beim Impfen.

Lars Rohwer

In freudiger Erwartung auf eine hoffentlich baldige Entspannung der Lage und viel Schnee wünschen ich uns allen beste Gesundheit.