Warum wird in Südkorea Kriegsrecht ausgerufen und wie blicke ich eigentlich auf Nordkorea?
Südkorea ist ein Land, was in Deutschland selten in den Nachrichten vorkommt. Spät am Abend des 3. Dezember überraschte dann aber sicher nicht nur mich die Eilmeldung, das Kriegsrecht sei ausgerufen. Im Bundestag bin ich Mitglied der deutsch-koreanischen Parlamentariergruppe und habe deshalb im Auslandsbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung genauer nachgefragt, was vor Ort los ist. (Hier könnt ihr den mittlerweile öffentlichen, ausführlichen Länderbericht nachlesen.)
Ein Punkt fiel mir besonders auf. Der Präsident sah in der Ausrufung des Kriegsrechts seine letzte Möglichkeit einen Haushaltsplan der Opposition zu verhindern. In Zeiten schwieriger Mehrheiten (In Südkorea hat die Opposition im Parlament die Mehrheit) und bei immer tieferer Spaltung der politischen Verhältnisse braucht es umso mehr Verhandlungsgeschick und Kompromissfähigkeit. Das gilt genauso in Deutschland oder in Frankreich, wo auch der Streit über den Haushalt jeweils das Fass zum Überlaufen gebracht hat.
Die Einschätzung von Kommentatoren, die Demokratie sei in Gefahr, halte ich für überladen. Die Gegenreaktion des Parlaments hat seine Wirkung gezeigt und die Ausrufung des Kriegsrechts wurde zurückgenommen. Es zeigt aber, wie schnell Extrempositionen auch schief gehen können. Es ist immer besser in der Mitte der Gesellschaft zusammenzubleiben, auch wenn es Mühe kostet. Ich wünsche mir für das Land nun eine schnelle Rückkehr zur politischen Stabilität.