Bei Wacker Chemie besprach ich ähnliche Themen. Zentral war die Forderung nach industriepolitischen Weichenstellungen, um den Wirtschaftsstandort Sachsen nicht nur zu erhalten, sondern vor allem konkurrenzfähig zu stärken. Die Auslastung der Nordost Chemie liegt bei 70% - ein Wert, der definitiv einer Änderung bedarf. Es stand aber vor allem die medial angekündigte Streichung von 1.500 Arbeitsplätzen im Vordergrund. Die Annahme, dass die 1.500 Arbeitsplätze einer Stilllegung des Standortes Nünchritz entsprechen (hier sind 1.500 Mitarbeitende beschäftigt) war jedoch nichts mehr als ein medialer Schnellschuss. Die Stellenkürzung wird sich auf den gesamten Konzern weltweit erstrecken und ist gegenwärtig noch in einer frühen Stufe der Wirtschaftsplanung. Einmal mehr hat sich bestätigt: Medien haben Macht über die Art und den Umfang an Informationen, die sie weiterreichen. Dieser Verantwortung müssen sich alle Medienhäuser und Journalisten bewusst sein. Sie können durch polarisierende und provozierende Berichterstattung zu einer gefährlichen Spaltung der Gesellschaft beitragen. Sie haben aber auch die Macht, durch überlegte Information eine Stärkung der Debattenkultur und Demokratie zu erreichen.
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