Wochenrueckblick 2026 07 17

Maritime Wirtschaft vor Ort erleben

verfasst am 17.07.2026
Hafenkran

Im Rahmen einer Studienreise des Maritimen Hauptstadtforums konnten ich mir diese Woche ein unmittelbares Bild von der Leistungsfähigkeit und den Herausforderungen der maritimen Wirtschaft im Norden unseres Landes machen. Das Programm führte uns zu Hafen- und Logistikunternehmen, Werften, Sicherheitsbehörden, den Marinefliegern und einem Hersteller von Rettungsbooten von Hamburg, Cuxhaven, Bremerhaven und Buxtehude über Nordholz und Krautsand an der Elbe.

Die Reise hat gezeigt, wie eng maritime Wirtschaft, funktionierende Lieferketten, industrielle Wertschöpfung und Sicherheit miteinander verbunden sind. Viele politische Entscheidungen lassen sich besser einordnen, wenn man die Abläufe vor Ort gesehen und mit den Verantwortlichen gesprochen hat.

Hafenlogistik und internationale Lieferketten

Zum Auftakt besuchten wir das EUROGATE-Terminal in Hamburg. Bei der Terminalrundfahrt wurde deutlich, welche logistische Leistung täglich erforderlich ist, um Waren zuverlässig zwischen Schiff, Schiene und Straße zu bewegen.

Die deutschen Seehäfen sind zentrale Knotenpunkte für den Außenhandel und damit für den gesamten Wirtschaftsstandort. Damit sie auch künftig wettbewerbsfähig bleiben und unsere Lieferketten resilient sind, braucht es moderne Anlagen, leistungsfähige Hinterlandanbindungen und eine verlässliche digitale Infrastruktur. Nur so sind wir für die Herausforderungen der Zukunft bestens aufgestellt.

Gleichzeitig müssen Planungs- und Genehmigungsverfahren schneller werden. Verzögerungen bei Infrastrukturprojekten wirken sich unmittelbar auf den Hafenbetrieb, die Unternehmen und die Lieferketten aus!

Polizeiuebung

Sicherheit auf dem Wasser

Am Dienstag fuhren wir mit dem Katamaran „Halunder Jet“ von Hamburg nach Cuxhaven und konnten eine Übung der Hamburger Wasserschutzpolizei beobachten. Dabei wurde sichtbar, wie wichtig gut ausgebildete Einsatzkräfte und die Zusammenarbeit der zuständigen Behörden sind.

Sichere Häfen und Wasserstraßen sind eine Grundvoraussetzung für einen funktionierenden Handel. Neben Unfällen und Umweltvorfällen gewinnen auch der Schutz kritischer Infrastruktur, Sabotageabwehr und hybride Bedrohungen an Bedeutung.

Wirtschaft, Polizei, Behörden und Bundeswehr müssen deshalb eng zusammenarbeiten. Dazu gehören klare Zuständigkeiten, ein schneller Informationsaustausch und eine moderne technische Ausstattung.

Zukunft der Marineflieger

Ein weiterer Schwerpunkt war der Besuch des Fliegerhorstes Nordholz. Unter dem Titel „Innovation, Entbürokratisierung und die Zukunft der Marineflieger“ erhielten wir Einblicke in das breite Auftragsspektrum.

Zu den Aufgaben gehören unter anderem die Seeraumüberwachung und Aufklärung. Dafür werden moderne Luftfahrzeuge, leistungsfähige Ausstattungen benötigt, um den Anforderungen einer modernen Bundeswehr gerecht zu werden.

Vor Ort wurde deutlich, dass Einsatzbereitschaft nicht allein von moderner Technik abhängt. Ebenso wichtig ist etwa qualifiziertes Personal mit großartigen Ausbildungsmöglichkeiten vom Standort Nordholz zu überzeugen.

Werften und industrielle Wertschöpfung

Am Mittwoch besichtigten wir die Lloyd Werft in Bremerhaven. Der Besuch gab einen Einblick in die Reparatur, Modernisierung und den Bau komplexer Schiffe.

Werften sind weit mehr als einzelne Produktionsstandorte. Sie sind Teil eines Netzwerks aus Zulieferern, Ingenieurbüros, Forschungseinrichtungen und spezialisierten Handwerksbetrieben. Damit sichern sie hochwertige Arbeitsplätze und wichtiges industrielles Know-how.

Gerade im Spezial- und Marineschiffbau sind langfristige Planung und verlässliche Aufträge entscheidend. Fähigkeiten, die einmal verloren gehen, lassen sich nur schwer wieder aufbauen. Deshalb muss die maritime Industrie als strategischer Bestandteil unseres Wirtschaftsstandortes betrachtet werden.

Logistikstandort Bremerhaven

Bei der Terminalrundfahrt der BLG Logistics Group in Bremerhaven konnten wir die Dimension moderner Hafen- und Fahrzeuglogistik erleben. Hier wurde deutlich, wie eng die deutschen Häfen mit Industrieunternehmen im gesamten Bundesgebiet verbunden sind.

Die Häfen an der Küste erfüllen damit eine nationale Aufgabe. Sie sichern den Zugang zu internationalen Märkten und sind für viele Branchen unverzichtbar. Investitionen in Hafeninfrastruktur und Verkehrswege sind daher Investitionen in den gesamten Wirtschaftsstandort.

Hochtechnologie im Schiffbau

Den Abschluss bildete der Besuch der Lürssen Werft in Bremen. Die Besichtigung zeigte, wie viele technische Bereiche im modernen Schiffbau zusammenkommen: vom klassischen Stahlbau über Maschinenbau und Elektrotechnik bis hin zu Software und Systemintegration.

Der Schiffbau steht beispielhaft für industrielle Wertschöpfung mit hoher technologischer Kompetenz. Gleichzeitig ist er von strategischer Bedeutung für die maritime Sicherheit und die Handlungsfähigkeit Deutschlands.

Damit diese Fähigkeiten erhalten bleiben, braucht die Branche Planungssicherheit, wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen und eine enge Abstimmung zwischen Politik, Auftraggebern und Unternehmen.

Schulschiff

Abschluss der Reise: Rettungsboote aus Krautsand

Ein letzter Programmpunkt führte uns zur Firma Hatecke in Krautsand. Das Unternehmen fertigt unter anderem konventionelle Rettungsboote, Freifallrettungsboote sowie Boote für die Kreuzfahrt, die Frachtschifffahrt und Einsatzkräfte.

Der Besuch zeigte, welche spezialisierten Unternehmen zur maritimen Wertschöpfung in Deutschland gehören. Im Ernstfall hängt davon das Leben der Menschen an Bord ab.

Hatecke steht zugleich beispielhaft für die Bedeutung mittelständischer Betriebe im maritimen Sektor. Diese Unternehmen verfügen über besonderes Fachwissen und gehören in ihrem spezifischen Bereich zu den Weltmarktführern.

Gerade solche Standorte machen deutlich, dass maritime Industrie nicht nur in den großen Hafenstädten stattfindet. Unternehmen im ländlichen Raum leisten einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit der Schifffahrt.