Demokratische Prozesse sind komplex und erfordern Zeit. 2020 hatten die Parteien, die die Bundesrepublik in wechselnden Koalitionen regieren, zum ersten Mal keine Mehrheit im Thüringer Landtag. In Sachsen haben wir diese Situation seit 2024. Das ist eine ernsthafte Herausforderung. Spätestens mit der diesjährigen Landtagswahl in Sachsen-Anhalt stellt sich daher die Frage: Wie gelingt es uns, das Vertrauen und Verantwortungsbewusstsein unserer Gesellschaft gegenüber der Demokratie zu stärken? Gerade in den ostdeutschen Bundesländern zeigt sich, wie der Verlust gemeinsamer Wertevorstellungen den Weg für populistische Kräfte ebnet.
Gleichzeitig erlebe ich vielerorts, dass vor allem der christliche Glaube immer weiter in den Hintergrund gedrängt wird. Doch gerade dort, wo kirchliche Bindungen schwach ausgeprägt sind, zeigt sich, dass Glaube insbesondere in Krisenzeiten Orientierung und Halt geben kann. Immer wieder begegne ich großem Interesse, offen und respektvoll über christliche Werte und unsere Verantwortung gegenüber unseren Mitmenschen zu sprechen: Diese Erfahrung gilt es 35 Jahre nach der Wiedervereinigung bewusst aufzugreifen.
Verlieren wir in Deutschland den Blick auf den Osten, ignorieren wir einen wichtigen Teil der deutschen Geschichte; wir übersehen ein großartiges Potential. Das Radiopharmazie-Cluster "Nuklid", die Chipindustrie im Dresdner Norden und das künftige Bauforschungszentrum in Bautzen sind Leuchttürme für die Innovations- und Wirtschaftskraft des Ostens. Auch deshalb habe ich große Zuversicht, dass sich die Parteien in der Mitte aufrappeln und behaupten werden. Die Demokratie hat es verdient.